Dass wir uns in einer Phase starker Klimaveränderungen befinden, scheint Konsenz zu sein. Während noch darüber gestritten wird, ob das vom Menschen verursacht wird (was die meisten Wissenschaftler für wahrscheinlich halten) und wie stark sich das Klima verändert, konzentrieren sich Forschungsprojekte an der Universität Bremen darauf, was das alles für unsere Region bedeuten könnte und wie wir der möglichen Gefahr begegnen können.
Das Projekt Klimu, das den Klimawandel gezielt für die Unterweserregion erforscht , und damit auch unsere Zukunft im Bereich Cuxhaven zum Inhalt hat, kommt zu folgendem Ergebnis: Die Temperatur steigt bis zum Jahr 2050 um 2,7%, der Niederschlag um 10%, und die Windstärken um 3,8 % ( (Quelle).
Auf dieser Grundlage hat das Projekt Krim in sieben Teilstudien ein Szenario für die Sturmflutgefährdung erarbeitet. Die auf den KLIMU-Daten basierende Studie errechnet eine Erhöhung des mittleren Hochwassers um 65 cm (55 cm Anstieg des Meeresspiegels und 10 cm höherer Tidenhub).
Die Teilstudie, die sich mit den konkreten Auswirkungen für den Küstenschutz befasst, kommt zu dem Schluss, das sich das Versagens- und Schadensrisiko unserer Deiche je nach Untersuchungsgebiet um 500 - 700 % erhöht. Empfohlen wird eine Erhöhung der Deiche im Mittel um 70 cm (Nachzulesen im Abschlussbericht Teilprojekt 2). Für die Weser wird der Bau eines Sperrwerkes vorgeschlagen, der andererseits für die Wurster Küste eine zusätzliche Erhöhung der Deiche um weitere 30 cm erfordern würde.
Diese Aussagen beruhen auf der Annahme eines Meeresspiegelanstiegs um 50 cm und einer Windzunahme von 7%, liegen damit also deutlich unterhalb der ursprünglichen Basis. (65cm Erhöhung, s.o.). In anderen Studien (IPCC) wird sogar von einer Erhöhung des Flutpegels um 80 cm ausgegangen. Unberücksichtigt ist soweit ersichtlich auch eine Aussage, die sich auf der Krim-Website findet: "Die aktuellen Wetterereignisse im westeuropäischen Bereich lassen es ... möglich erscheinen, dass Sturmflutwasserstände eintreten, die bis zu 2 m über den bisher beobachteten Maxima liegen. Das im Dezember 1999 über die Nordsee und Dänemark gezogene Sturmtief "Anatol", welches dort der stärkste Orkan des Jahrhunderts war, hätte bei einer südlicheren Zugbahn über die Deutsche Bucht nach Einschätzung des BSH (Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie) im Bereich von Hamburg zu 2 m höheren Wasserständen führen können."
Klimaforschung und insbesondere die Vorhersage für die Zukunft ist sicherlich ein extrem schwieriges Kapitel. Unwidersprochen scheint jedoch die Aussage zu sein, dass das Hochwasserrisiko steigt, wenn auch nicht wirklich zu klären ist, in welchem Maße.
Die Überflutung New Orleans und anderer Regionen am Golf von Mexiko hat gezeigt, dass das Ausmaß der Schäden in großem Umfang davon abhängt, wie die Menschen - bereits im Vorfeld - mit einer eintretenden Katastrophe umgehen.
Hier setzt ein drittes Forschungsprojekt der Universität Bremen mit dem Namen INNIG an. Erforscht werden soll dabei u.a., wie die Bevölkerung mit der Hochwasserbedrohung umgeht. Wird die Gefahr eher verdrängt oder bauen sich sogar Ängste auf. Dafür werden in Bremen und Hamburg jeweils 400 Personen ausführlich befragt. Interessiert sind die Wissenschaftler dabei auch daran, ob sich Unterschiede für die beiden Städte ergeben. Schließlich kamen in Hamburg 1962 viele Menschen ums Leben und von Behördenseite wird dort nach Aussagen der Forscher das Thema deutlich ernster genommen als in Bremen. Der Fragebogen ist im Internet einsehbar (hier klicken). Ausfüllen sollen ihn jedoch nur Bremer und Hamburger.
Zur Zeit wird wieder verstärkt über die Sturmflut 1962 berichtet. So lief gerade im NDR am 4. November der Film "Die Nacht der großen Flut". Interessante Infos und Links zu diesem Thema findet Ihr bei Thomas Sävert, dessen umfangreiche Homepage allen zu empfehlen ist, die sich für Sturmfluten und andere Naturkatastrophen interessieren.
Da wir noch kein Forum eingerichtet haben (kommt bald), würden wir uns freuen, wenn Ihr eure Meinung zu diesem Thema per eMail an uns sendet (info@cuxx.de). Wir veröffentlichen Eure Beiträge dann hier.