VOLLMOND-LOUNGE

featuring BOBO: Lieder von Liebe und Tod
Volkslieder aus verschiedenen Jahrhunderten und Kompositionen
von Sebastian Herzfeld nach Worten von Eichendorff und Goethe
Donnerstag, 01. Februar 2007 um 20 Uhr


Pferdestall
Gartenstr. 5 -7 • 27568 Bremerhaven
Tel. 0471 – 4 33 33
tickets@pferdestall-bremerhaven.com
www.pferdestall-bremerhaven.com
Eintritt 8,-€ - oder würfeln!

"Tradition nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers" (Gustav Mahler)

“In White Wooden Houses“ begann einst die Rock-Karriere der Berliner Sängerin Christiane Hebold alias BOBO. Kennt man ihr neuestes Projekt, könnte man besorgt fragen: Wird Bobo jetzt brav? Denn ihre Begeisterung gilt neuerdings den Volksliedern. Doch Bobo ist, zum Glück, wer sie ist, und so hält sie in den Arrangements des Instrumententüftlers Sebastian Herzfeld verblüffende Neuentdeckungen längst vergessen geglaubter Weisen für uns bereit. Zauberhaft von atmosphärischen Videoprojektionen begleitet, ist ein Abend entstanden, an dem sich große Gefühle zu glockenklarem Gesang behaupten dürfen, Hoffen und Bangen, Liebe und Lust, Heimweh und Fernweh - alles ist gestattet.
LIEDER VON LIEBE UND TOD wurde für den Weltmusikpreis R.U.T.H. nominiert.

Mit
Bobo (Gesang)
Anne Kaftan (Bassklarinette, Sopransaxofon)
Sebastian Herzfeld (präp. Klavier, Bass, Zither, Metallinstrumente)

www.bobo-in-white-wooden-houses.de & www.lieder-von-liebe-und-tod.com


Pressestimmen zu Lieder von Liebe und Tod:

„Ein Popstar unter den Pfarrerstöchtern aus Halle: Christiane Hebold sang in den 90ern mit ihrer Band „Bobo In White Wooden Houses“ für eine große Plattenfirma und erreichte Euro-Video-Grand-Prix-Nominierung. Nun singt „Bobo“ deutsche Volkslieder. „Ich bin ja mit Chorälen und Liedern der Romantik aufgewachsen, das waren also meine musikalischen Wurzeln, bevor ich Joni Mitchell und Fleetwood Mac entdeckt habe“, sagt sie. Wie ein Auslöser gewirkt aber habe vor einigen Jahren ein „Spiegel“-Artikel zu der Frage, warum die Deutschen nicht singen. „Tot sind unsere Lieder, unsre alten Lieder. Lehrer haben sie zerbissen, kurz Behoste sie zerklampft, braune Horden tot geschrien, Stiefel in den Dreck gestampft.“ So hatte schon eine ganze Generation zuvor Franz Josef Degenhardt gereimt – hatte sich (trotz des Folk Revivals der 70er) also nichts verändert? Gefühlte Peinlichkeit beim Singen in der eigenen Muttersprache – sie zu überwinden war Bobos Motor auf ihrem Weg zum Volkslied-Projekt. Mit von der exquisiten Klangpartie: der Pianist und Zitherzupfer, Theaterkomponist und Instrumententüftler Sebastian Herzfeld, der auch Gedichte der deutschen Romantik vertont hat, und die von Charlie Marianos Jazz geprägte Saxophonistin und Bassklarinettistin Anne Kaftan.“
(WDR 3)

Ein schöner, düstrer Traum: Bobo gibt "Lieder von Liebe und Tod"

"Bobo singt Volkslieder" - beinahe wäre man achtlos am Titel der Veranstaltung vorbeigegangen und ein wundervoller Abend verpasst worden. Zum Glück erinnerte man sich an jene Sängerin, die einst mit "Bobo In White Wooden Houses" für Furore gesorgt hat, und war nun sehr neugierig auf ihr neues Projekt.
Es sollte kein Heimatabend werden, und auch die vermeintliche deutsche Gemütlichkeit wurde nicht beschworen. Anstatt einfach irgendwelche Volkslieder anzustimmen - was bei ihrer Sangeskunst bereits ein Erlebnis gewesen wäre - verzauberte Bobo im freien Spiel mit den traditionellen Vorlagen. Alte Weisen wie "Es geht eine dunkle Wolke herein" oder "Die Königskinder" erklangen ebenso wie Präludien von Bach in faszinierenden Variationen, und Gedichte von Goethe und Eichendorff erfuhren eine schöpferische Vertonung. Musikalische Unterstützung fand die Chansonette durch Anne Kaftan an Sopransaxophon und Bassklarinette und Sebastian Herzfeld an Zither, Steelplates und einem elektronisch präparierten Klavier. Das Trio hüllte die ewigen, nicht verstummenden Themen in neue Gewänder. Nicht modernistisch auf Plüsch und Pop getrimmt schwangen Lust und Leid als zentrale Themen stets mit. Bobo griff die Metaphorik des Volksliedes im Gesang auf und gab ihr vokalen Ausdruck. Als "Wildvögelein" verweigerte sie trotzig trällernd jenen das Lied, die es mit Gold und Seide lockten: "...und niemand kann mich zwingen." Mit Megaphon und Mikro intonierte sie einen flüsternd-lärmenden Wechselgesang und im Lied "Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht" perlten die Worte wie Tropfen von ihren Lippen hinab.
Lieder von Schönheit, Lebenslust und Trauer schlugen das Publikum in ihren Bann an einem melancholisch-besinnlichen Abend, für den der intellektualistische Allgemeinplatz von Eros und Thanatos einmal wirklich beschreibende Kraft zukommt. Die Fragen des Lebens waren als Grundmotiv allen Liedern zueigen. Sie spiegelten die Suche nach dem Wesen von Liebe und Glück, weckten Sehnsucht nach Leidenschaft, stimmten das Lob einer gewissen Leichtigkeit des Seins an und forderten zum Tanz. Im Gefühl die Welt umarmen zu wollen oder Stille zu suchen beschrieben sie mal düster, mal fröhlich das Leben und die Welt, die zuweilen - und sei es nur die eigene kleine - auch schön ist.
Traumhafte Klänge und Landschaften wurden in den Raum gemalt und waren im morbiden Charme des Westflügelsaales besonders gut aufgehoben. Wer diesen Abend verpassen musste, kann sich von der anrührenden Schönheit der "Lieder von Liebe und Tod" auf gleichnamiger CD überzeugen, wie auch das betörte Publikum diese mit dem Wunsch nach Fortdauern mitnahm. Denn als Bobo zur zweiten Zugabe "Wanderers Nachtlied" anstimmte, wusste der ausverkaufte Saal:
"...Warte nur, balde Ruhest du auch."
(Leipzig Almanach)

Interview mit Bobo zum Volkslieder-Projekt:

Also, die Frage stellt sich ja jetzt fast von selbst: Wie bist Du denn auf diese Idee gekommen? Volkslieder lieben wir ja alle, aber doch immer nur heimlich. Das klingt son bisschen nach Mittelalter-Boom und riecht nach verstaubten Studios mit steifen Kammersängern.
Bobo: Ja, ich weiß, deutsche Volkslieder, das hört sich erst mal befremdlich an. Aber Lieder wie „Es geht eine dunkle Wolk herein“ oder „Der schwere Traum“ kenne ich seit meiner Kindheit und habe sie immer geliebt und gern gesungen. Ich bin ja mit Chorälen und Liedern der Romantik aufgewachsen, das waren also meine musikalischen Wurzeln, bevor ich Joni Mitchell und Fleetwood Mac entdeckt habe. In den letzten Jahren blitzte die Idee immer mal wieder auf, ein ganzes Album mit Volksliedern aufzunehmen, also ganz weit zurückzugehen und zu sehen, was man heute noch damit anfangen kann.

Ich erinnere mich an die nächtlichen "Feuerchen", an denen ich in die Glut gesehen habe und Du, nach unzähligen Songs immer wieder bei dem "Schweren Traum" angekommen bist. Du hast es dann noch mit anderen Liedern versucht, aber wir stellten fest, dass wir immer spätestens nach der ersten Strophe hängen bleiben.
Bobo: Ja, darum habe ich ja dann in vielen Volkslieder-Büchern nach "neuen" Liedern gesucht. Denn erst einmal hatte ich nur eine Handvoll, die mir wirklich gefallen haben. Und es sollten Lieder über Liebe, Sehnsucht und Tod sein! Liebesleid,Trauer und Abschied haben ja schon zu allen Zeiten Inspiration für die schönsten Lieder gegeben. Daran hat sich ja bis heute nichts geändert! Bei der Suche bin ich übrigens auch auf Texte gestoßen, die die Bedeutung bestimmter Images beleuchten, z.B. dass mit fallendem Reif in "Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht "die Zerstörung des Glückes gemeint ist. Als ich meiner Tochter das Lied vorgesungen habe, hat sie sich die Ohren zugehalten und wollte es nicht hören. Ich fragte sie "Warum? Weil sie gestorben sind?" Sie sagte darauf "Nein, weil sie kein Glück hatten". Zur Abwechslung gibt es aber auch heitere Lieder, obwohl die Auswahl da nicht so leicht war, weil mir das Schwermütige dann doch immer besser gefällt. Die Melodien sind einfach schöner und gehen mehr ans Herz.! Aber "Wildvögelein" aus Siebenbürgen ist eines meiner Favoriten, ein frühes Emanzipationslied, wie ich es nenne. Oder "Und in dem Schneegebirge", das wir vor kurzem noch einmal, nämlich im Duett aufgenommen haben. Ich wollte unbedingt Norbert Leisegang von Keimzeit dabeihaben! Und zu meiner großen Freude ist was draus geworden!

Das Thema Deutsche Volkslieder beschäftigte Dich ja schon lange, wir haben viel darüber gesprochen, auch darüber, weshalb die Generationen seit 68 so sehr aus den jahrhundertealten Traditionen gefallen sind, welche Werte und Verwurzelungen wir eigentlich noch haben und wo die Schwelle zum deutschtümeln liegt. Bei einigen Menschen liegt sie jedenfalls sehr niedrig, stellten wir fest. Oder es wird eifrig herumliberalisiert und dem Deutschen Volkslied schlechthin ein brauner Anstrich verpasst.

Bobo: Ja, mir war es früher, wenn ich im Ausland war, auch manchmal peinlich, deutsch zu sein. Damals hätte ich mich nicht gewagt, ein deutsches Volkslied anzustimmen. Aber damit bin ich jetzt durch! Wir haben ja mal bei Dir in Götemitz am Küchentisch mit vielen Leuten angefangen, das Thema auseinanderzunehmen. Der Auslöser war ein Artikel im Spiegel mit dem Titel: "Warum die Deutschen nicht singen" oder so ähnlich. Erinnerst Du Dich? Das Stigma der Deutschen, Sprache, die Nazizeit, die so gut wie alles in Schutt und Asche gelegt hat. Dieser Abend war für mich der eigentliche Zünder für das Volkslied-Projekt. Kurz darauf kam ein französisches Fernsehteam auf mich zu, die ein Portrait über Berliner Künstler gemacht haben. Sie fragten mich, ob ich etwas für sie singen würde. Ich saß in einem Hausflur und dann fiel mir ein, ein altes Volkslied zu singen. Irgendwie erschien es mir auf einmal unpassend, etwas englisches zu singen, da es ja ein Feature über deutsche Künstler sein sollte. Danach habe ich mich eine Weile mit dem Thema beschäftigt. Wollte für mich selbst auch mal rauskriegen, was es eigentlich ausmacht, dieses typisch Deutsche. Vielleicht ist es diese hinterfragende Tiefsinnigkeit und Schwere, die mich immer angezogen hat. Aber keine Tristesse! Ein kleines Licht im Dunkel muss immer sein! Dann habe ich überlegt, welche alten Balladen man noch aus der Mottenkiste befördern könnte. Und welche Lieder ich gern an meine Tochter weitergeben würde.

Die Aufnahmen schließlich sind mit Sebastian Herzfeld aus Halle entstanden. Warum war ausgerechnet er der Partner, mit dem Du dieses, naja, "Herzens-Projekt" umsetzen wolltest? Lag`s am Namen?

Bobo: Sebastian kenne ich schon ewig. Wir haben vor Jahren in einer Jazzband zusammen gespielt, uns aus den Augen verloren und 2002 zufällig wieder getroffen. Er hatte sich zu einem wunderbaren Musiker entwickelt und komponiert Theater- und Filmmusiken. Dann lud er mich ein, einige Kompositionen von ihm nach Texten von Joseph von Eichendorff zu singen. Das war für eine Inszenierung des Puppentheaters in Halle. Und diese Lieder hatten genau die melancholiche Stimmung, die mir für die Volkslieder vorschwebte. Kleine düstere Märchen. Ich wußte sofort, dass ich in Sebastian jemanden gefunden hatte, der genau der Richtige für das Projekt war, wir waren uns einfach einig.

... und dann habt ihr das größte Angeber-Studio dafür gesucht...?

Bobo: Wir brauchten ja vor allem Sebastians preparierten Piano-Sound und so hat er seine kleine Wohnung am Saale-Ufer kurzerhand zum Home-studio umgebaut. Überall standen seine Instrumente und er ist ständig von einem zum anderen gesprungen. Klavier, Gitarre, Bass, Trompete, Akkordeon, und Stahlplatten, die auf Holzkisten geschweißt waren. Er hat alles gleichzeitig gemacht: arrangiert, gespielt und aufgenommen... Die Aufnahmen dort zu machen war ideal und wenn wir eine Pause brauchten, konnten wir einfach nachts vor die Tür gehen und dunkel-romantisch zwischen den Bibern am Wasser sitzen und unsere Ideen weiterspinnen.

"Der schwere Traum" (ach, das ist immer wieder mein Favorit, wie Du den singst, da möchte man glatt weinen) hat ja diese seltsam schöne Klavierbegleitung von der Pianistin und Komponistin Ulrike Haage, die ich schon in der Urfassung geliebt habe.

Bobo: Ja, Ulrike hat diese wunderbar fließende Begleitung komponiert und gespielt. Sie ist eine begnadete Musikerin und ich bin glücklich über diese Aufnahme. Sogar den Klang der Todesglocken, die am Ende des Liedes zu hören sind, hat sie aus ihrem Klavier gezaubert..

Du arbeitest ja weiterhin an anderen Projekten. Was habt Ihr jetzt mit den Volksliedern vor? Gibt es konkrete Pläne?

Bobo: Wir wollen natürlich gerne live spielen, das ist nun mal unser Lebenselixier. Bis jetzt sind wir einmal in Halle aufgetreten. Lustigerweise bin ich mit diesem Back-to-the-roots-Projekt wieder in meiner alten Heimatstadt gelandet. Auf der Bühne spielen wir übrigens zu dritt, mit Anne Kaftan, einer Sopransaxophonistin, die auch Bassklarinette spielt. Jetzt sind wir auf der Suche nach einem geeigneten Label, nach jemandem, der wie wir, Lust hat, in alten Schubläden für Überraschungen zu sorgen.

Das Gespräch mit Bobo führte Juliane Voigt.