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VOLLMOND-LOUNGE featuring BOBO: Lieder von Liebe und Tod Pferdestall "Tradition nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers" (Gustav Mahler)
Mit www.bobo-in-white-wooden-houses.de & www.lieder-von-liebe-und-tod.com
„Ein Popstar unter den Pfarrerstöchtern aus Halle: Christiane Hebold sang in den 90ern mit ihrer Band „Bobo In White Wooden Houses“ für eine große Plattenfirma und erreichte Euro-Video-Grand-Prix-Nominierung. Nun singt „Bobo“ deutsche Volkslieder. „Ich bin ja mit Chorälen und Liedern der Romantik aufgewachsen, das waren also meine musikalischen Wurzeln, bevor ich Joni Mitchell und Fleetwood Mac entdeckt habe“, sagt sie. Wie ein Auslöser gewirkt aber habe vor einigen Jahren ein „Spiegel“-Artikel zu der Frage, warum die Deutschen nicht singen. „Tot sind unsere Lieder, unsre alten Lieder. Lehrer haben sie zerbissen, kurz Behoste sie zerklampft, braune Horden tot geschrien, Stiefel in den Dreck gestampft.“ So hatte schon eine ganze Generation zuvor Franz Josef Degenhardt gereimt hatte sich (trotz des Folk Revivals der 70er) also nichts verändert? Gefühlte Peinlichkeit beim Singen in der eigenen Muttersprache sie zu überwinden war Bobos Motor auf ihrem Weg zum Volkslied-Projekt. Mit von der exquisiten Klangpartie: der Pianist und Zitherzupfer, Theaterkomponist und Instrumententüftler Sebastian Herzfeld, der auch Gedichte der deutschen Romantik vertont hat, und die von Charlie Marianos Jazz geprägte Saxophonistin und Bassklarinettistin Anne Kaftan.“ Ein schöner, düstrer Traum: Bobo gibt "Lieder von Liebe und Tod" "Bobo singt Volkslieder" - beinahe wäre man achtlos am Titel der Veranstaltung vorbeigegangen und ein wundervoller Abend verpasst worden. Zum Glück erinnerte man sich an jene Sängerin, die einst mit "Bobo In White Wooden Houses" für Furore gesorgt hat, und war nun sehr neugierig auf ihr neues Projekt. Interview mit Bobo zum Volkslieder-Projekt: Also, die Frage stellt sich ja jetzt fast von selbst: Wie bist Du denn auf diese Idee gekommen? Volkslieder lieben wir ja alle, aber doch immer nur heimlich. Das klingt son bisschen nach Mittelalter-Boom und riecht nach verstaubten Studios mit steifen Kammersängern. Ich erinnere mich an die nächtlichen "Feuerchen", an denen ich in die Glut gesehen habe und Du, nach unzähligen Songs immer wieder bei dem "Schweren Traum" angekommen bist. Du hast es dann noch mit anderen Liedern versucht, aber wir stellten fest, dass wir immer spätestens nach der ersten Strophe hängen bleiben. Das Thema Deutsche Volkslieder beschäftigte Dich ja schon lange, wir haben viel darüber gesprochen, auch darüber, weshalb die Generationen seit 68 so sehr aus den jahrhundertealten Traditionen gefallen sind, welche Werte und Verwurzelungen wir eigentlich noch haben und wo die Schwelle zum deutschtümeln liegt. Bei einigen Menschen liegt sie jedenfalls sehr niedrig, stellten wir fest. Oder es wird eifrig herumliberalisiert und dem Deutschen Volkslied schlechthin ein brauner Anstrich verpasst. Bobo: Ja, mir war es früher, wenn ich im Ausland war, auch manchmal peinlich, deutsch zu sein. Damals hätte ich mich nicht gewagt, ein deutsches Volkslied anzustimmen. Aber damit bin ich jetzt durch! Wir haben ja mal bei Dir in Götemitz am Küchentisch mit vielen Leuten angefangen, das Thema auseinanderzunehmen. Der Auslöser war ein Artikel im Spiegel mit dem Titel: "Warum die Deutschen nicht singen" oder so ähnlich. Erinnerst Du Dich? Das Stigma der Deutschen, Sprache, die Nazizeit, die so gut wie alles in Schutt und Asche gelegt hat. Dieser Abend war für mich der eigentliche Zünder für das Volkslied-Projekt. Kurz darauf kam ein französisches Fernsehteam auf mich zu, die ein Portrait über Berliner Künstler gemacht haben. Sie fragten mich, ob ich etwas für sie singen würde. Ich saß in einem Hausflur und dann fiel mir ein, ein altes Volkslied zu singen. Irgendwie erschien es mir auf einmal unpassend, etwas englisches zu singen, da es ja ein Feature über deutsche Künstler sein sollte. Danach habe ich mich eine Weile mit dem Thema beschäftigt. Wollte für mich selbst auch mal rauskriegen, was es eigentlich ausmacht, dieses typisch Deutsche. Vielleicht ist es diese hinterfragende Tiefsinnigkeit und Schwere, die mich immer angezogen hat. Aber keine Tristesse! Ein kleines Licht im Dunkel muss immer sein! Dann habe ich überlegt, welche alten Balladen man noch aus der Mottenkiste befördern könnte. Und welche Lieder ich gern an meine Tochter weitergeben würde. Die Aufnahmen schließlich sind mit Sebastian Herzfeld aus Halle entstanden. Warum war ausgerechnet er der Partner, mit dem Du dieses, naja, "Herzens-Projekt" umsetzen wolltest? Lag`s am Namen? Bobo: Sebastian kenne ich schon ewig. Wir haben vor Jahren in einer Jazzband zusammen gespielt, uns aus den Augen verloren und 2002 zufällig wieder getroffen. Er hatte sich zu einem wunderbaren Musiker entwickelt und komponiert Theater- und Filmmusiken. Dann lud er mich ein, einige Kompositionen von ihm nach Texten von Joseph von Eichendorff zu singen. Das war für eine Inszenierung des Puppentheaters in Halle. Und diese Lieder hatten genau die melancholiche Stimmung, die mir für die Volkslieder vorschwebte. Kleine düstere Märchen. Ich wußte sofort, dass ich in Sebastian jemanden gefunden hatte, der genau der Richtige für das Projekt war, wir waren uns einfach einig. ... und dann habt ihr das größte Angeber-Studio dafür gesucht...? Bobo: Wir brauchten ja vor allem Sebastians preparierten Piano-Sound und so hat er seine kleine Wohnung am Saale-Ufer kurzerhand zum Home-studio umgebaut. Überall standen seine Instrumente und er ist ständig von einem zum anderen gesprungen. Klavier, Gitarre, Bass, Trompete, Akkordeon, und Stahlplatten, die auf Holzkisten geschweißt waren. Er hat alles gleichzeitig gemacht: arrangiert, gespielt und aufgenommen... Die Aufnahmen dort zu machen war ideal und wenn wir eine Pause brauchten, konnten wir einfach nachts vor die Tür gehen und dunkel-romantisch zwischen den Bibern am Wasser sitzen und unsere Ideen weiterspinnen. "Der schwere Traum" (ach, das ist immer wieder mein Favorit, wie Du den singst, da möchte man glatt weinen) hat ja diese seltsam schöne Klavierbegleitung von der Pianistin und Komponistin Ulrike Haage, die ich schon in der Urfassung geliebt habe. Bobo: Ja, Ulrike hat diese wunderbar fließende Begleitung komponiert und gespielt. Sie ist eine begnadete Musikerin und ich bin glücklich über diese Aufnahme. Sogar den Klang der Todesglocken, die am Ende des Liedes zu hören sind, hat sie aus ihrem Klavier gezaubert.. Du arbeitest ja weiterhin an anderen Projekten. Was habt Ihr jetzt mit den Volksliedern vor? Gibt es konkrete Pläne? Bobo: Wir wollen natürlich gerne live spielen, das ist nun mal unser Lebenselixier. Bis jetzt sind wir einmal in Halle aufgetreten. Lustigerweise bin ich mit diesem Back-to-the-roots-Projekt wieder in meiner alten Heimatstadt gelandet. Auf der Bühne spielen wir übrigens zu dritt, mit Anne Kaftan, einer Sopransaxophonistin, die auch Bassklarinette spielt. Jetzt sind wir auf der Suche nach einem geeigneten Label, nach jemandem, der wie wir, Lust hat, in alten Schubläden für Überraschungen zu sorgen. Das Gespräch mit Bobo führte Juliane Voigt. |
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